Sonntag, 28. Januar 2018

27./28.01.2018 (Jg. 74, Nr. 23 HA), S. 22

Jörg Winterfeldt: Verdacht der Willkühr

Wie es sich für ein gutes deutsches Putinisten-Blatt gehört, hat die Berliner Zeitung Putinisten in allen Bereichen. Jetzt outet sich Jörg Winterfeldt, der stellvertretende Ressortleiter Sport (auch für die linke Frankfurter Rundschau tätig), als solcher. Zuerst beschreibt er die Intransparenz des IOC (wer hätte sie in Zweifel gezogen?), ließ sogar den Gedanken an die Möglichkeit eines "Kuhhandels" zwischen Putin und IOC-Chef Bach zu, um dann die abrupte Kehre zu vollziehen: Die Maßnahmen des IOC seien nicht etwa Ausdruck dieses Kuhhandels, sondern weckten den Verdacht "antirussischer Willkühr"! Wo er den Antirussismus sieht, führt er natürlich nicht aus - das muß man unter Putinisten auch nicht, der versteht sich von selbst.

Donnerstag, 4. Januar 2018

03.01.2018 (Jg. 74, Nr. 2 HA), S. 21*

Sebastian Borger: Das A-Wort. Robert Harrs' Roman "München" beleuchtet die britische Beschwichtigungs-Politik gegenüber Nazideutschland

Mancher mag sich, wie ich, gewundert haben, wieso der Westen angesichts der Aggressionen Putins nicht auf seine Erfahrung von 1938 zurückgriff und verstand, daß Appeasement-Politik das Gegenteil dessen bewirkt, was man mit ihr erreichen will. Ein neuer Artikel der stark dem Putinismus zuneigenden Berliner Zeitung gibt die Erklärung: Die Appeasement-Politik war eigentlich gar nicht so falsch und schlecht - diese Sichtweise sei "längst einer differenzierteren Betrachtung gewichen." (Bei wem? Bei Putinisten vermutlich...) Aber mehr noch: Jede Vergleiche heutiger Verhaltensweisen westlicher Politiker mit dem grandiosen Scheitern von 1938 verbietet sich als "'idiotische Verwendung' des politischen Kampfbegriffs" und "unsachliche Appeasement-Vergleiche". Der Autor scheut sich nicht, die große Keule zu schwingen und Leute, die in Deutschland auf die historischen Parallelen hinweisen, ins Afd-Lager zu sortieren. Linke Propaganda in Reinkultur.