Donnerstag, 4. Januar 2018

03.01.2018 (Jg. 74, Nr. 2 HA), S. 21*

Sebastian Borger: Das A-Wort. Robert Harrs' Roman "München" beleuchtet die britische Beschwichtigungs-Politik gegenüber Nazideutschland

Mancher mag sich, wie ich, gewundert haben, wieso der Westen angesichts der Aggressionen Putins nicht auf seine Erfahrung von 1938 zurückgriff und verstand, daß Appeasement-Politik das Gegenteil dessen bewirkt, was man mit ihr erreichen will. Ein neuer Artikel der stark dem Putinismus zuneigenden Berliner Zeitung gibt die Erklärung: Die Appeasement-Politik war eigentlich gar nicht so falsch und schlecht - diese Sichtweise sei "längst einer differenzierteren Betrachtung gewichen." (Bei wem? Bei Putinisten vermutlich...) Aber mehr noch: Jede Vergleiche heutiger Verhaltensweisen westlicher Politiker mit dem grandiosen Scheitern von 1938 verbietet sich als "'idiotische Verwendung' des politischen Kampfbegriffs" und "unsachliche Appeasement-Vergleiche". Der Autor scheut sich nicht, die große Keule zu schwingen und Leute, die in Deutschland auf die historischen Parallelen hinweisen, ins Afd-Lager zu sortieren. Linke Propaganda in Reinkultur.

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